Plattensafari, Fuchs und Hase

Häuser im Abriss sehen immer unvorteilhaft aus. Die Plattenhäuser sind da keine Ausnahme. Ich laufe mit meiner Kamera durch das alte Viertel, es nieselt, es ist mehr oder weniger kalt und der Anblick macht dem Wetter alle Ehre. Der einstige Stolz der sozialistischen Stadtplanung mag zwar jetzt in seinen letzten Tagen einigermaßen desolat aussehen, aber ich bin fasziniert vom Anblick. Die sich wiederholende Anordnung und die Schlichtheit ist sehr reizvoll, wie ich zugeben muss. So blöde war das mit den vorgefertigten Elementen gar nicht.

Jetzt stelle ich mir vor, wie ich in so einer Hütte wohne. Nein, nicht so wie in Kindertagen, in einem kleinen, dunklen, hässlichen Hühnerkäfig. Aus der letzten Etage des Plattenhauses wollen einige nichttragende Zwischenwände entfernt werden, vielleicht auch ein paar Bodenplatten, um die Zimmer entsprechend zu vergrößern, so es denn die Statik erlaubt. Der Wohnraum will neu aufgeteilt werden und mir eine geräumige und lichte Behausung in dieser alten Platte bieten. Gar nicht so schlecht. Der Clou wäre ein Planschbecken auf dem Dach mit Dreimeterbrett (OK, das vielleicht nur in der High-End Version). Und so ein Haus ist jetzt nicht eben klein. Es bietet ewig viel Platz, da können die Freunde kommen und ihre ebenso lichte und geräumige Wohnung einrichten, oder ihr Atelier, oder ihren Dachgarten, oder ihren Proberaum, oder ihre Theaterbühne oder ihr Lager für Technik oder ihre Firma oder ihr Café oder ihren Laden oder ihre Tagesbetreuung oder oder oder. Will sagen, allein wäre ich nur kurz in meinem Plattenhaus. Es scheitert eigentlich nur am Umfeld. Plattenhäuser stehen meist in Gesellschaft und die Erfahrung zeigt, dass die Nachbarschaft nicht unbedingt vorteilhaft ist. Sorry Kameraden, aber kein Bock auf Stress. Es sollte vielleicht der letzte Bau sein, übrig, nachdem alle anderen abgerissen wurden. Also wenn jemand einen Plattenbau in einer urbanen Insel über hat, kann er sich gern hier melden.

Diese Bilder entstanden nicht in Pripjat, oder Novosibirsk oder nach dem dritten Weltkrieg, sondern gestern und heute morgen in einer ostdeutschen Kleinstadt, in der sich innerhalb der bewaldeten urbanen Inseln bald wieder Bär, Luchs, Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Der Letzte macht das Licht aus.

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Zurück in Japan

Schon wieder Sonntag, Zeit für einen Artikel. Ich bin wieder in Japan, hab meine Sachen wieder (Big thanks, David), mein Visum wurde verlängert und meine neue Adresse steht jetzt auch auf meiner Alien ID Card, einer Art Personalausweis Weiterlesen

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Man nehme 5 Freunde

…stopfe zwei Kombis voll mit Instrumenten, Technik, Notstromer und Benzinkanister, drei oder vier Packen CDs, Rauchwaren, Imbiss und Vorräten  Weiterlesen

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Wien

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Sieb und Druck

Am 5.-7. August auf dem Feldversuch. Drucken all you can eat fuer nen Fuenfer. Ihr braucht Motive, ausgeschnitten auf normalem Papier. Und Klamotten zum Bedrucken. Baumwolle geht am besten.

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Gute Erinnerungen aus Japan

Eine knappe Woche wieder in Deutschland und schon will ich zurück. Nicht, dass es mir hier nicht gefällt, oder zu wenig los ist. Nein, bei weitem nicht. Ich will zurück, ganz einfach. Vorrausgesetzt, das AKW in Fukushima fliegt nicht in die Luft und Tokyo wird keine verstrahlte Geisterstadt, vielleicht schon in ein, zwei Monaten.

Hier noch ein paar gute Erinnerungen aus der Zeit vor dem Erdbeben.

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heimwärts

Da bin ich nun in Seoul. In den letzten Tagen wurde immer klarer, dass es notwendig wird, Japan zu verlassen. Die Situation hier wird brenzlig. Wenn in den nächsten Tagen der Wind dreht, dann wollen 30 Millionen Menschen überall, außer in Tokyo sein und machen sich auf den Weg. In Narita AP kommt man ohne Ticket schon seit Tagen nicht mehr weg. Ich bin vor zwei Tagen mit Christian, einem PostDoc vom RIKEN Richtung Westen nach Kyoto aufgebrochen, um weiter weg von den AKWs zu sein. Fukushima liegt etwa 320 km, und Tokai etwa 160 km nördlich von Tokyo. Im TV laufen positive Bilder, in denen Menschen einander wiederfinden, jemand gerettet wird, oder Menschen, die die Hoffnung, Ihre Angehörigen zu finden, nicht aufgeben. Das ist sehr stark und gibt den Leuten Kraft. Dennoch sagt hier keiner in aller Deutlichkeit, was Sache ist. Das ist hier so, hat seine Berechtigung im täglichen Umgang. Aber in Verbindung mit kaputten AKWs hat jeder ein Recht auf klare Infos. Die deutschen Medien waren da viel beunruhigender.

Beim Beben selber saßen wir zu dritt bei einer Besprechung beim Chef im Büro im 6. Stock. Und dann wackelten die Wände. Und es wurde stärker. Und dann noch stärker.  Es hörte eine gefühlte Ewigkeit nicht auf. Man konnte das Haus hören. Und die Schreie der Mitarbeiter. Was mir richtig Angst gemacht hat war, dass auch die Japaner Panik hatten. Die meisten hatten sowas noch nie erlebt. Als dann Ken nur noch RUN rief, sprinteten wir 6 Stockwerke runter und ich stand mit zitternden Knien draußen. Das war nicht viel besser, denn die Erde bebte immer noch, ringsum wackelten die Gebäude und da war klar, das hört so schnell nicht auf.

Wir hatten eartquake day off, im Institut ging nichts mehr und die Erde wackelte immer noch alle 15 Minuten. Wir konnten nicht weg aus Tsurumi (in Yokohama, da ist das RIKEN Institut), da die Bahnen nicht mehr fuhren. Stromausfall, alles auf Notgeneratoren umgeschaltet für die Kühltruhen. Tsunami-Warnung. Deswegen schnell weg von der Halbinsel und hoch ins Wohnhaus. 9. Stock. Wir haben uns bei meiner Betreuerin getroffen. Japanisches Batterieradio für die nötigsten Infos. Zwei Leute hatten ein iPhone dabei und das Internet ging. Die ersten Videos auf YouTube vom Erdbeben aus allen Landesteilen. Unglauben. Keiner realisierte das in dem Moment so richtig. Die Reihe rum setzte jeder eine Nachricht ab, dass er noch am Leben ist. Jeder sollte so ein Teil haben, best Tool ever! Irgendwann ging der Strom wieder an und wir konnten Fernsehen schauen. Und waren sprachlos. Die Nacht habe ich fast gar nicht geschlafen. Immer wieder hat das ganze Haus gewackelt, Haus im Sinne von fettem Wohnblock mit 11 oder 12 Geschossen. Ich bin davon mit rasendem Herz aufgewacht. Man hörte das Haus, laut. Unglaublich, habe ich noch nie erlebt. Den ganzen Abend konnte ich nicht essen, kaum reden. Am nächsten Morgen war das immer noch so. Manchmal dachte ich die Erde bebt schon wieder, konnte mich aber anhand der Vorhänge oder der Lampenschirme eines Besseren überzeugen. Und dann war auf einmal das Dach von einem Reaktor in Fukushima weg. Das war Samstag morgen. Die Meldungen waren widersprüchlich. Der Reaktor sei nun im Eimer, kann nicht mehr gekühlt werden, schmilzt bald, doch wieder alles unter Kontrolle, das ZDF sehr skeptisch, CNN, BBC auch…Informationschaos.

Das alles hat mich sehr besorgt. Samstag abend habe ich mich dann mit Chris per Skype (noch so etwas, dass jeder haben sollte) für 21.10 auf dem Bahnhof Tsurumi verabredet und 21.38 gings los mit dem Shinkansen nach Kyoto. Ein grüne, ruhige Oase, verglichen mit Tokyo. Auf die Frage, wann für ihn der Punkt kommt, das Land zu verlassen, meinte Chris: Kernschmelze. Das hielt ich für angemessen. Währenddessen war in Kyoto kaum etwas von den Beben oder den Problemen mit den AKWs zu spüren. Die Leute feierten eine Party am Fluss. Auch wir haben uns schön abgelenkt und Kyoto angeschaut. So weit weg, wirkte alles weniger bedrohlich. Bis wir am Abend und am nächsten Morgen dann die News aus Tokyo bekommen haben: Leute die sich um die Tickets in Narita drängeln, Warnung vom auswärtigen Amt, neue Erdbeben in Sendai und vor Fukushima, ein weiterer möglicher Vorfall im AKW Tokai, noch näher an Tokyo ran, eine allgemeine Verschlechterung der Versorgung des Landes, eine teilweise Kernschmelze in Fukushima, ein weiterer Reaktor ohne Dach, weitere Reaktoren, die nicht gekühlt werden können, nochmehr Opfer…Ihr kennt die Bilder. Und dann haben auch die Leute vom RIKEN gesagt, es wäre besser, jetzt erstmal nicht hier zu sein. Ende. Ab nach Osaka, eine Airline finden, die noch heute weg fliegt, egal wohin. Mit sämtlichen Geldkarten und mit der Hilfe von Chris (Danke, Mann!) die Wucherpreise für die Tickets berappt und los nach Seoul. In 8 Stunden sitze ich im Flugzeug nach Hause. Das schaue ich mir doch lieber von weiter weg an. Ich habe noch am Flughafen ein Re-entry permit beantragt und bekommen. Ich gehe nur sehr schweren Herzens weg. Dieses Land so zu sehen ist mehr als traurig.

Watashi no ki wa nihon ni desu.

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Einkaufen

Die Warnungen, das Einkaufen betreffend, waren durchaus berechtigt. Hier finde ich allerlei Dinge, die ich noch nie in einem Supermarktregal gesehen habe. Neben Weichtieren finden sich Schalen-, oder Krustentiere, allerhand Gemüse, von dem ich keinen blassen Schimmer habe. Ich kenne noch nicht mal den Namen. Wenn ich etwas suche, frage ich die Leute, ob ich jetzt das richtige, oder was genau nochmal ich in der Hand halte. Mein Mut, einfach mal Dinge auszuprobieren wurde prompt belohnt und ich hab einen derart widerlich schmeckenden Fang gemacht, dass mir jetzt beim darüber Schreiben einen Tag später noch etwas übel wird. Damit hatte sich das Abendbrot gestern. Ansonsten ist das Essen hier sehr abwechslungsreich, es wird nie langweilig. Wer kein Fleisch mag, ist hier auch ganz gut aufgehoben. Bisheriges Highlight: Salat von wildem Senf, sauer eingelegt. Aber es sind erst zwei Wochen rum, ich denke in 6 Monaten nochmal drüber nach.

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Ankommen, umsehen

Da bin ich nun etwas mehr als eine Woche hier und die Tage sind wieder Tage, die Nächte Nächte, und nicht andersrum. Es war äußerst unangenehm, viel zu früh aufzuwachen und ab Mittag sowas von durchzuhängen. Ich hab beim Literaturseminar mal abgeschätzt, dass es daheim jetzt ungefähr 4 Uhr morgens sein musste. Ungewöhnliche Zeit für ein Seminar. Aber jetzt bin ich einigermaßen drin, obwohl ich gleich am Samstag viel zu lang mit ein paar Leuten aus dem Haus in Roppongi unterwegs war. Clubben. So neu war das dann doch nicht, kennichkannich. Und die Musik…naja. Aber mit den Leuten wars trotzdem witzig, erstmal sind die Dudes prima und natürlich falle ich auf mit hellen Haaren und komme ins Gespräch.

Die Arbeit läuft so langsam an, ich laufe im Labor durch die Gegend auf der Suche nach der einen oder anderen Zutat und merke, dass sie dann doch ganz in der Nähe ist. Orientieren…ist alles etwas weiträumiger hier. Aber kein Stress momentan. Gestern war Dr. Richard O’Connell vom Max-Planck Köln hier am RIKEN PSC. Er gab eine Präsentation über das Cruziferenpathogen Colletotrichum higginsianum und neue Pat-Faktoren. Sehr interessant und vor allem großartige Mikroskopie der Membran während der biotrophen Phase. Wir durften ihn alle Löchern und er hatte sichtlichen Spaß dabei. Hier gibt es jede Woche mindestens ein Seminar und ich glaube ich nehme mir die Zeit, da hin zu gehen.

Ich fahre mit der Bahn zur Arbeit. Bahnfahren ist neben Arbeiten eine Hauptbeschäftigung hier, den Massen nach zu urteilen, die jeden Tag zum Nahverkehr strömen. Dort hat jeder was zu tun. Handy checken, mit einem mobilen Gerät spielen, lesen, schlafen. Oder schlafen, aufwachen und Handy checken, Nase hochziehen und wieder schlafen. Nur nicht reden oder anschauen. Etwas beklemmend fürs erste. Mit etwa 5-10 Buchseiten Anfahrt (Danke Jörg) und 10 Minuten Fußweg habe ichs noch ganz gut getroffen. In Tokyo ist es üblich, dass die Leute 2 Stunden und mehr pendeln, da die Mieten in der Innenstadt mit normalem Einkommen nicht bezahlbar sind. Dazu arbeiten die Menschen verglichen mit europäischen Verhältnissen einfach Lichtjahre länger. Dementsprechend müde sind die Leute. Man sieht oft schlafende Menschen. In der Mittagspause, auf der Arbeit, in der Bahn (sogar stehend in der rush-hour), im Bus, im Taxi…überall.

Am Samstag habe ich mir den Moloch hier mal von oben angesehen. Vom Rathaus-Hochhaus aus. Stadt soweit das Auge reicht. Und danach Essen in Shinjuku, mit herzhaftem Schlürfen natürlich, sonst denken alle, es schmeckt nicht.

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Gut angekommen

Der Flug hat ewig gedauert, nach 18 Stunden bin ich in Tokyo gelandet, von dort aus mit der Bahn nach Shinjuku, ein riesiges Labyrinth von einem Bahnhof. Ich musste bestimmt eine halbe Stunde suchen, bis ich den richtigen Ausgang gefunden habe. Das Einchecken im Sakura-Office bestand im Grunde aus Unterschreiben von einzelnen Paragraphen des Mietvertrages. Ja, ich werde Weiterlesen

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