Ab ins Ausland (2) – Japan!

Da war sie nun, die Absage der Uni Halle. Eigentlich war es keine richtige Absage, ich habe mich im Datum zur Abgabe des Antrags und des Exposés für das Promotionsstipendium in Halle geirrt und war nun etwa zwei Wochen zu spät mit dem eilends geschriebenen Pamphlet dort aufgeschlagen. Kein weg rein, wurde mir gesagt. Vor der offiziellen Frist, die eigentlich erst  zwei Wochen  später ablief, würden die Bewerber Fachbereichs-intern ausgewählt auf einer Sitzung, die schon vor zwei Wochen statt gefunden hätte, und deren Termin natürlich nicht mit in der offiziellen Ausschreibung stand. Das müsse alles seine Ordnung haben, aber in nem halben Jahr gern wieder. Also kein Stipendium in Halle. Und kein Projekt , da die Finanzierung nicht steht. Da ich aber über genau dieses Projekt ins Ausland wollte, war auch der Startpunkt für das ganze Unterfangen weg! Ich hätts wissen müssen, so typsich mal wieder. Eigentlich müsste ich jetzt anfangen, mich aufzuregen über die Uni-Organisation und den ganzen Klüngel etc etc. Aber am meisten ärgere ich mich über mich selber, noch nie hat mich ein verpasster Termin so eiskalt erwischt und immer hats doch noch irgendwie geklappt. Was ein Finale.

LosLosLos

Mit diesem, sagen wir, anspornenden Moment, der Uni erstmal auf wiedersehn zu sagen, habe ich angefangen die Flucht nach vorn anzutreten. Bewerbungen geschrieben, Einladungen zu Vorstellungsgesprächen erhalten und auch einen Antrag an den DAAD in den Händen gehabt. Aber wo will ich hin? Da wo es warm ist..ich erinnere mich an die Vorsätze aus dem letzten Winter. Und an die Temperaturen. Also ab auf die Seiten zum DAAD und die Ausschreibungen durchsucht. Luzie konnte mir leider nicht weiterhelfen, warme Länder kannte sie nicht. Aber ich wollte doch schon immer mal nach Japan! Sowas, dass ich da nicht eher drauf gekommen bin. Dabei hat Sensei immer wieder gesagt, Junge, schau dir mal Japan an. Und siehe da, es gibt ein DAAD-Programm für Japan. RIKEN heißts. Aha, Abschluss muss ich haben, 1-6 Monate sollte es dauern, Flug hin und zurück dabei, monatliches Geld für dort, am besten geeignet für  Leute, die gerade fertig mit Studieren sind, ein wenig Zeit über haben, nach Japan wollen und erstmal später weiter mit der Promotion machen. Das ist eine außerordentlich passende Beschreibung meines momentanen Planungsstatus. Über diese Ausschreibung habe ich dann die Kontaktdaten von Mitarbeitern und Professoren des RIKEN Instituts in Japan  bekommen und alle mal angeschrieben. Ja Hallo, ich bins, ich hab grad nen Abschluss in Biologie, bin interessiert ein halbes Jahr im Lab von Ken San zu arbeiten, finde Japan ganz knorke, weil ich schon seit paar Jahren Kendo mach. Best regards und ab damit. Dem Prof schrieb ich auch zusammen mit dem Abstract meiner Diplomarbeit und meinem CV. Postwendend (am nächsten Tag, man beachte die Zeitverschiebung) kamen die Antworten aus dem PR-Büro des RIKEN Instituts. Ja, danke für Ihre Anfrage, wir habens dem Prof weitergeleitet und viel Glück dabei, kind regards. Hmm. erstmal ganz unverbindlich und auch nicht so vielsagend. Also nochmal geschrieben, was ich denn von japanischer Seite aus alles einreichen, erbringen, erfüllen müsste, damit ich am RIKEN Institut beim Ken San anfangen könnte. Best regards. Aber auch der Prof hatte geschrieben. Ja, das ist ja alles ganz nett, ich bin im August paar Tage in München, Deutschland und lass uns doch dort treffen. Best regards. Ja schick, ich war noch nie dort, kenne niemanden und bin pleite. Aber warum nicht. Mittlerweile trudelten die Antwortmails von immer mehr Angestellten des RIKEN-Büros in Japan ein, (ich hatte nur einem  geschrieben) die mir sagten, dass ich nichts weiter als das Visum und die DAAD-Formalitäten in Deutschland erledigen muss.   Der Prof. Parniske, Gastgeber des Vortrags vom Ken San hatte inzwischen auch geschrieben, dass ich Kens Vortrag natürlich auch hören dürfe und ne halbe Stunde nach dem Mittagessen Zeit für ein Gespräch mit ihm habe. YEAH!

Auf nach München

Ich bin noch nie in Deutschland mit dem Daumen gereist, also getrampt, wie man so schön sagt. Das sollte jetzt das erste mal sein. Ich bin schon mal in anderen Ländern so gereist, sehr gut voran gekommen und nette Menschen kennen gelernt, aber hier noch nie. Kurz und gut: Es war super angenehm. Mein Freund Jörg nahm mich bis kurz vor Nürnberg mit, (Danke meiner, das hat sowas von gepasst!) die letzten drei Stunden bis München bin ich bei Leuten mitgefahren. Mit meinem Pappschild stand ich an der Raststätte und reckte den Daumen gen Himmel, und siehe da, nach maximal 15 Minuten wurde ich mitgenommen. Danke Nadia und danke Christian, dass ihr so freundlich wart. Der Andi aus Cottbus von der letzten Raststätte, der auch trampte, wartete schon seit zwei Stunden und dachte, dass es aussichtslos wäre, noch weiterzukommen. Der wollte noch nach Zürich an dem Tag. Na viel Glück, meiner! Und er kam mit nach München und hat hoffentlich seinen Weg in die Schweiz gemacht. Leider stank er stark nach Schnaps, was vielleicht sein langes Warten bisher erklärte.

Hallo München

Angekommen!  Da war ich nun in der großen Stadt und auf der Suche. Über meine Freundin Julia, wollte ich im Verlauf des Tages ihre Freundin Anne treffen. Sie hat im Moment ein wenig Zeit und hat mir freundlicherweise Obdach in München gewährt. Mit mildem Wetter und ein wenig Sonne begrüßt, verbrachte ich gefühlte 10 Minuten im Cafe mit meinem Vortrag für morgen, einen entspannten Nachmitag im englischen Garten und ein wundervolles Konzert in der Unterfahrt am Abend mit der Anne und ihren Freunden.

Am nächsten Tag hieß es früh aufstehen und raus nach München-Martinsried, eine gefühlte Weltreise. Dort ist das Biozentrum der Ludwig-Maximilians-Universität und dort will ich Ken San treffen, bei dem ich für ein halbes Jahr arbeiten will. Beim Betreten des nüchternen Glasbaues mit der Wendeltreppe war mir doch ein wenig flau im Bauch. Ich kannte mal wieder keinen, war auf dem Weg ins ungewisse und zu einem Vortrag und einem Treffen mit einem Typen, der vielleicht mal mein Boss werden würde. Er erkannte mich anscheinend schon beim reinkommen, kam auf mich zu und fragte ob ich der Typ aus Halle sei. Na klar, konichiwa, hajime mashite, nice to meet you, handshake. Ganz unjapanisch. Überraschend. Aber cool. Er redete über Striga hermonthica, eine parasitische Pflanze. Sein Lab hat einen enormen output und dieses Thema wurde kurz in etwa 30 Minuten und anschließender Diskussion umrissen (Das war Stoff für nen ganzen Tag Diskussion). Neben diesem Thema arbeiten seine (sieben!) Postdocs im Lab an fünf oder sechs verschiedenen Projekten. Gleichzeitig. Vom Prof in München habe ich nach dem Mittagessen ne halbe Stunde bekommen, um mit Ken über einen Aufenthalt in Japan zu sprechen. Also erstmal los zum Mittagessen in die Mensa, Mittag ist heilig. Dann wieder zurück drei Etagen nach oben zum Kaffee und dem Interview mit Ken. Ich war vorher etwas nervös, aber dann ging alles ganz flott. Diplomarbeit in 5 Minuten zusammengefasst (ich hatte vorher einen Vortrag fertig, den ich jetzt aber nicht brauchte), ausgemacht wann ich nach Japan will, Thema besprochen, TODO-Liste gemacht und noch ein bissel mit Regina erzählt, die sich auch dazu gesellte und ein bisschen von ihrer Zeit in Kens Labor erzählte. Sie hatte gute Erinnerungen an die Zeit (O-Ton: “Best I ever did”) und hatte wichtige Informationen über Unterkunft und where-to-go parat. Mit einem Zettel auf Ihrem Schreibtisch empfahl ich mich später, da sie dann nicht mehr da war. Ich werd ihr gleich morgen schreiben. Das Gespräch mit Ken verlief weiter entspannt und ich erzählte ihm, warum ich ausgerechnet nach Japan will. Kendo natürlich. Das ist mein Plan. Dort arbeiten und mit den richtig guten japanischen Cracks Kendo trainieren. Lachen seinerseits. Jaja, die verrückten Deutschen wieder, die wollen genau das machen, was den Japanern seit der Grundschule als Sport verordnet wird. Lachen meinerseits, aber ja. Und high class science, of course. Das war also das Bewerbungsgespräch und ich hab den Job! YEEEEEEEEEEEEEEEEEEE! (sms an Freunde und Familie danach). Händeschütteln, sayonara und see you und auf bald. In Japan, dann. Mann, wie krass!

Abmatten und after hour

Irgendwie musste ich runter kommen und bin nach einem Spaziergang im Hofgarten und vorbei an der (wahrlich riesigen) Staatskanzlei (Mann, Ede, Mann Horst) ins  bunkereske Haus der Kunst gegangen um mir die Farbe grau anzusehen. Schwarz/Weiß-Fotografie. Teilweise echt gut, aber den Teil ‘Selbst’ hätte sich der gute Michael Schmidt echt sparen können. Das war mein Downer nach der ganzen Aktion, irgendwie rannte mein Kopf und die Ausstellung war so ungefähr das Beste, was ich danach machen konnte. Und dann war gut, ich war fröhlich und traf mich mit der Anne in einem sehr netten Café dessen Name mir jetzt entfallen ist. Aber gut wars. Ich konnte Ihr quietschvergnügt von den Geschehnissen erzählen und wir saßen ein Weilchen. Die Anne ist gerade in der selben Situation wie ich, eben fertig geworden und auf der Suche nach sinnvoller Tätigkeit oder überhaupt was Sinnvollem. Die Gespräche mit Ihr waren eine Bereicherung und sie war sowas von hilfsbereit. Mannomann! Sie kannte mich nur von einem Besuch in Halle, also eigentlich wusste sie nur, wie ich damals aussah und was ich studiere. Und dann hat sie mir hier in München so gut geholfen, großartig. Danke liebe Anne, du bist bestimmt schon wieder daheim von der Bahnstation, an der Du mich gerade abgesetzt hast.

Ich sitze in der Bahn auf dem Rückweg von dem ganzen verrückten Unterfangen und langsam sackts. Das Treffen mit Ken war gestern, am Abend war Geburtstagsparty, auf die ich auch mitkommen durfte (Danke Anne). Ich hab Kopfweh, München ist sowas von verregnet und das Wetter drückt. Zeit die Stadt zu verlassen, meine Schwester besuchen.  Hören wie es ihr und ihren Kindern geht, ihr erzählen, was so passieren wird demnächst bei mir. Krasse Zeit gerade, denke ich und klappe den Rechner zu.

Ab ins Ausland Teil 1

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2 Antworten zu Ab ins Ausland (2) – Japan!

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